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Schmerzen im Zusammenhang mit der Ernährung

Schmerzen kennt wohl jeder in irgendeiner Form – sie sind eine natürliche Reaktion des Körpers als Alarm- und Schutzfunktion und zeigen normalerweise an, dass etwas akut nicht in Ordnung ist. Oft werden Schmerzen jedoch chronisch bzw. sind Begleiterscheinung einer langfristigen Erkrankung.

Dann sind Strategien gefragt, um mit dem Schmerz umzugehen und ihn zu lindern. Neben medikamentöser Therapie und nichtmedikamentösen Behandlungsverfahren wie beispielsweise Akupunktur, physikalische Therapie oder psychologische Betreuung ist auch die Ernährung eine wichtige Komponente in der Schmerzbekämpfung. Welche Rolle spielt die Ernährung bei Schmerzerkrankungen?



1. Wissenswertes über den Schmerz
2. Wichtige Nährstoffe für Schmerzpatienten
3. Ernährungspraxis und Umsetzungstipps

1. Wissenswertes über den Schmerz

Zwar ist das menschliche Gehirn selbst schmerzunempfindlich, aber an nahezu allen anderen Stellen im Körper gibt es Schmerzrezeptoren, die Schmerzsignale ans Gehirn senden. Erfolgt beispielsweise eine Verletzung der Haut (Schnittwunde, Verbrennung o.ä.), so wandert der Schmerzimpuls über Nervenbahnen ins Rückenmark und von dort ins Gehirn. Das wiederum veranlasst das Rückenmark in umgekehrter Richtung, schmerzhemmende Substanzen freizusetzen, damit der akute Schmerz gelindert wird. Zu diesen schmerzhemmenden Substanzen gehören beispielsweise Endorphine.

Während der akute Schmerz eine lebenswichtige Funktion hat, verliert sich diese biologische Warnfunktion bei Erkrankungen mit langanhaltenden Schmerzen wie etwa Rheuma, Osteoporose, Neuropathien (Nervenschmerzen), Gelenk- und Wirbelsäulenerkrankungen, chronische Rückenschmerzen oder Neuralgien. Zudem kann der chronische Schmerz zu einer eigenständigen Erkrankung werden. Er hängt dann nicht oder nicht mehr ursächlich mit einer Krankheit zusammen. Operationen, Tumore oder Entzündungen können die vorausgegangenen Ursachen sein.

Schmerzen werden stets individuell empfunden und hängen unter anderem auch von der momentanen Gemütslage des Betroffenen ab. Eine positive Grundeinstellung, gute Laune oder Ablenkung können dazu führen, dass Schmerzen weniger intensiv wahrgenommen werden. Anders herum wird eine traurige, niedergeschlagene Stimmung das Schmerzempfinden verstärken. Dieser Mechanismus ist unabhängig von der Schmerzform.

2. Wichtige Nährstoffe für Schmerzpatienten

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den chronischen Schmerz über die Ernährung zu beeinflussen. Dabei werden jeweils unterschiedliche Nährstoffe wichtig, da sie auf unterschiedlichen Ebenen des Organismus wirken. Dazu eine nähere Betrachtung:

Der Stoffwechsel
Die bereits erwähnten Endorphine sind körpereigene schmerzstillende Stoffe, die dem Morphin sehr ähnlich sind. Damit sie in ausreichender Menge gebildet werden können, sind Serotonin (das sogenannte „Glückshormon“) und Prostaglandin (ein Gewebehormon) notwendig. Serotonin wird mit Hilfe von Eiweiß gebildet, und zwar durch die Aminosäure Tryptophan. Serotonin hat auch direkte schmerzstillende Funktion, denn es blockiert schmerzerzeugende Substanzen im Körper. Die Prostaglandine wiederum benötigen für ihre Bildung ungesättigte Fettsäuren, sie verändern die Schmerzschwelle.

Die Psyche und das allgemeine Wohlbefinden
Psyche und Schmerzempfinden bedingen sich wechselseitig. Auch hier kommt es auf das Serotonin an, denn es verbessert die Stimmung. Anders herum leistet ein zu geringer Serotoninspiegel depressiven Verstimmungen Vorschub und Schmerz wird stärker empfunden. Eine genussvolle Ernährung, die gut schmeckt und die Serotoninbildung fördert, ist also für den Schmerzpatienten die erste Voraussetzung.

Der körperliche Allgemeinzustand
Eine vielseitige und an den individuellen Bedarf angepasste Ernährung mit einer guten Nährstoffversorgung ist Grundlage von Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit. Denn sämtliche Vorgänge im Körper stehen in unmittelbarem Zusammenhang mit der Ernährung. Grundsätzlich kann gesagt werden: „Je sorgfältiger ich mich ernähre, desto besser geht es mir.“ (Dr. Hellmut Lützner, Ernährungsmediziner, Schmerztherapeut und Autor zahlreicher Fachbücher).

Im Zusammenhang mit chronischen Schmerzen werden im Rahmen dieser sorgfältigen Ernährung verschiedene Nährstoffe, Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente wichtig, die möglichst täglich in den Speiseplan integriert werden sollten. Die Umsetzung ist denkbar einfach.

3. Ernährungspraxis und Umsetzungstipps

Der Schmerzpatient bedarf keiner Diät, solange er keine Krankheit hat, die eine spezielle Ernährungsform erfordert, zum Beispiel Diabetes oder Lebensmittelallergien und –unverträglichkeiten. Grundlage ist also eine vollwertige Ernährung nach den Regeln der DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung). Sie braucht nur leicht modifiziert werden, um Auswirkungen auf den chronischen Schmerz zu haben. Einige grundsätzliche Regeln:

Gewichtsreduktion
Übergewicht wirkt sich insgesamt ungünstig aus, da die zusätzlichen Pfunde den Organismus belasten und den Allgemeinzustand beeinträchtigen können. Für übergewichtige Schmerzpatienten wird daher wird empfohlen, Normalgewicht anzustreben.

Kohlenhydrate
Bei chronischem Schmerz wirkt sich ein etwas erhöhter Kohlenhydratanteil in der Ernährung positiv aus. Kohlenhydrate fördern die Insulinausschüttung, was dazu führt, dass der Einstrom von Tryptophan ins Gehirn und damit die Serotoninbildung verbessert werden. Empfohlen werden Kohlenhydrate mit einer hohen Nährstoffdichte (Vollkornprodukte, Kartoffeln, Hülsenfrüchte, Gemüse und Obst).

Fette
Wichtig sind mehrfach ungesättigte Fettsäuren. Eine besondere Rolle spielen die Omega-3-Fettsäuren (vor allem alpha-Linolensäure), da sie Entzündungen reduzieren. Sie sind enthalten in Raps-, Lein-, Walnuss- und Olivenöl sowie in fettem Seefisch (Lachs, Hering, Makrele). Da viele Schmerzerkrankungen mit Entzündungsprozessen einhergehen – beispielsweise Rheuma – ist hier ein wirkungsvoller Ansatzpunkt in der Therapie gegeben.

Eiweiß
Die Zufuhr hochwertiger Proteine mit allen Aminosäuren sollte vor allem auf pflanzlicher Basis erfolgen, um tierische Fette und damit die entzündungsfördernde Arachidonsäure zu mininieren. Sie kommt ausschließlich in tierischen Produkten vor. Daher sollte die Eiweißquelle Fleisch nur selten gegessen und Milchprodukte in der fettreduzierten Variante gewählt werden. Gute pflanzliche Eiweißquellen sind Hülsenfrüchte, Getreide oder Nüsse. Und natürlich Soja, das darüber hinaus antientzündliche und antioxidative Eigenschaften besitzt. Sojaprodukte wie Tofu, Sprossen, Sojajoghurt oder – drinks sind deshalb in der Ernährung des Schmerzpatienten sehr wertvoll. Auch Algen liefern viel hochwertiges Eiweiß.

Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente
Mikronährstoffe wirken entzündungshemmend und schützen den Organismus vor oxidativem Stress. Damit sorgen sie dafür, dass der belastende Schmerz, der aufgrund der Entzündungsprozesse entsteht, gedämpft wird. Zu den antioxidativen Nährstoffen gehören die Vitamine E und C, Provitamin A (Beta-Carotin), Vitamin B2 (Riboflavin) und Niacin sowie die Mineralstoffe Zink und Selen. Eine vielfältige und abwechslungsreiche Kost mit reichlich Gemüse und Obst sorgt für eine gute Vitaminzufuhr. Selen und Zink werden durch Meeresfische, Naturreis, fettarme Milchprodukte und Nüsse geliefert.

Eine besondere Rolle spielt außerdem der Mineralstoff Magnesium: Er bewirkt eine physiologische Entspannung unter gleichzeitiger Dämpfung vegetativer Erregungszustände. Das heißt: er ist ein guter „Stoßdämpfer“ bei Stress und lässt die Schmerzreize aufgrund seiner entspannenden Wirkung abklingen. Gute Quellen sind Spinat, Linsen, Haferflocken und Kartoffeln.
Auch unter den sogenannten „Superfoods“ finden sich übrigens zahlreiche Lebensmittel, die sich durch besonders hohe Nährstoffanteile auszeichnen und die Ernährung bei Schmerzerkrankungen positiv beeinflussen können.

Abschießend sei gesagt, dass Ernährung Spaß machen soll und Genießen ausdrücklich erwünscht ist! Dann kann die vollwertige Ernährung den Schmerz sicher nicht heilen, aber das allgemeine Wohlbefinden steigern und das Schmerzgeschehen lindern.

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